Internierung und Entwicklung des Isotopentrennverfahrens
Nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki geraten von Ardenne und weitere führende deutsche Wissenschaftler, darunter Nobelpreisträger Gustav Hertz, der Physiker Max Steenbeck und der Nuklearchemiker Nikolaus Riehl, in das Netzwerk der sowjetischen nuklearen Rüstung. Nehmen die sowjetischen Fachleute Manfred von Ardenne vorerst als Spezialisten für Elektronenoptik und Konstruktion von Elektronenmikroskopen wahr, bestimmen die politischen Ereignisse fortan die Forschungsarbeiten und er wird zur Mitarbeit am sowjetischen Atomprogramm verpflichtet. Die sowjetische Seite verfolgt dabei das Ziel, möglichst rasch mit der Supermacht USA aufzuschließen und konkurrieren zu können. Während einer Besprechung versucht der sowjetische Geheimdienstchef Beria, die Leitung für das Projekt an von Ardenne zu übergeben. Er selbst über besagte Sitzung:
"Ich hatte etwa zehn Sekunden Zeit zum Nachdenken. Meine Antwort hatte etwa folgenden Wortlaut: Den soeben geäußerten Vorschlag betrachte ich als eine große Ehre für mich, denn er ist zugleich Ausdruck eines ungewöhnlich großen Vertrauens in die Leistungsfähigkeit meiner Person. Die Lösung des Problems, um das es hier geht, hat aber zwei verschiedene Bereiche: 1. die Entwicklung der Atombombe selbst und 2. die Entwicklung des Isotopentrennverfahrens im industriellen Maßstab zur Gewinnung der Kernsprengstoffe wie Uran-235. Die Isotopentrennung ist der eigentliche und sehr schwierige Engpass der Entwicklung. Ich schlage deshalb vor, dass allein die Isotopentrennung zur Hauptaufgabe für unser Institut und die deutschen Spezialisten bestimmt wird und dass die hier vor mir sitzenden führenden Kernphysiker der Sowjetunion die Entwicklung der Atombombe als große Tat für ihre eigene Heimat vollbringen."
Beria nahm diesen Vorschlag an. Jahre später, bei einem Staatsempfang, als Manfred von Ardenne dem sowjetischen Ministerpräsidenten Chruschtschow vorgestellt wurde, reagierte dieser spontan: "Ach, Sie sind der Ardenne, der damals seinen Hals so geschickt aus der Schlinge gezogen hat!"
Letztlich wird die industrielle Isotopentrennung zur Hauptaufgabe des Forschungsinstituts von Manfred von Ardenne und seiner Mitarbeiter. Das von ihm entwickelte Verfahren zur Herstellung von bombenfähigem Uran-235 erweist sich aber als zu kompliziert und die von Steenbeck entwickelte Gaszentrifuge trägt schließlich zum Bau der ersten sowjetischen Atombombe bei. Von Ardenne sah später seinen Beitrag zur Beschleunigung des atomaren Patts als "wichtigste Tat, zu der mich der Zufall der Nachkriegsereignisse geführt hatte."