Plasmaphysikalische Technologien
Erstes Entwicklungsprojekt des Ardenne-Instituts auf dem Gebiet der Plasmaphysik ist 1963 der Plasmafeinstrahlbrenner, dessen Wirkungsweise auf dem physikalischen Prinzip des Hochdruck-Lichtbogens beruht. Hauptapplikation ist das Schmelzschneiden metallischer Halbzeuge für den Maschinenbau, insbesondere für den Schiffbau. Industriepartner bis 1990 ist der VEB Schweißtechnik "Kjellberg" Finsterwalde, ab 1972 Betrieb des Mansfeld-Kombinates Eisleben. Die ersten Anlagen dafür werden im Forschungsinstitut ab 1964 gebaut. Etwa 700 weitere kommen bis 1980 im In- und Ausland zum Einsatz.
Mitte der 60er Jahre erlebt die "Bedampfungstechnik" international einen großen Aufschwung. Gefördert wird der Ruf nach material- und energiesparenden, umweltfreundlichen Technologien im Osten Deutschlands per Ministerratsbeschluss, woraufhin die Entwicklung der Bedampfung von Bandstahl, Flachglas, Folie und Papier forciert wird. Verfahren und Anlagen werden produktiver und völlig neue Anwendungsgebiete entstehen.
Auch das Forschungsinstitut Manfred von Ardenne stellt einen großen Teil seiner Kapazitäten in den Dienst dieser zukunftsträchtigen und vielseitig anwendbaren Technologie.
Erster Meilenstein ist 1964 die Entwicklung einer Inline-Beschichtungsanlage für mikroelektronische Hybridschaltkreise im Auftrag der Keramischen Werke Hermsdorf/Thüringen. Das Projekt ist Ausgangspunkt einer über Jahrzehnte andauernden erfolgreichen und verlässlichen Zusammenarbeit für die fortschreitende Miniaturisierung spezieller elektronischer Bauelemente und Schaltkreise.
1960, also fünf Jahre nach Gründung des Instituts, arbeiten bereits 120 Mitarbeiter auf dem Weißen Hirsch. Ende 1962 gibt es sogar schon 230 Arbeitsplätze, ermöglicht durch ein staatliches Steuerprivileg. Auch weitere Gebäude und Laboratorien kommen hinzu.